online   030 - 22056331
01575 - 1573709
 

coaching

In Ihrer Metastudie werten Bongartz, Flammer und Schwonke (2002) insgesamt 193 unterschiedliche Wirksamkeitsstudien mithilfe der Methoden der Metaanalyse aus. Dabei setzten Sie hohe Standards an die methodische Qualität der aufgenommenen Untersuchungen. Es werden nur Studien betrachtet, bei denen die Hypnose eine medizinische Intervention begleitet oder bei der eine ICD-10 kodierte psychische Störung vor liegt.
Interessanterweise finden die Autor_Innen sehr unterschiedliche Effektstärken, die von d = 0.38 (schwacher Effekt) bei den Studien zur Hypnotherapeutischen Mitbehandlung einer medizinischen Intervention, bis zu d = 2.0 bei nicht randomisierten Studien, bei denen der Vergleich zwischen dem Zustand vor und nach der Behandlung untersucht wurde.

Die deutlich höhere Effektivität hypnotherapeutischer Behandlung in den letztgenannten Studien könnte auf verschiedene Ursachen zurück zuführen sein. Zu einen könnte es sich um methodische Artefakte handeln, zu Anderen wissen wir aus anderen Studien über die Effektivität von Psychotherapien, dass es einen großen Einfluss der Therapeutin / des Therapeuten gibt. Außerdem liegt nahe, dass die Selbstselektion des Patienten, als die (un)bewusste Auswahl einer Hypnotherapeutin / eines Hypnotherapeuten großen Einfluss auf die Zusammenarbeit und auf die Wirkung der Therapie hat. Dieser Einfluss geht bei einer Randomisierung verloren, da man die Interaktion zwischen Therapeut_In und Patient_In aus der Beurteilung der Therapieeffektivität methodisch ausklammern möchte.

Zusammenfassung

Von 193 Untersuchungen zur Bestimmung der Wirksamkeit von Hypnose, die bis Ende 1998 veröffentlicht wurden, konnten 43 randomisierte, klinische Studien, in denen eine ausschließlich mit Hypnose behandelte Patientengruppe mit einer unbehandelten (bzw. mit medizinischer Standardversorgung behandelten) Gruppe verglichen wurde, in eine Meta-Analyse integriert werden. Für die hypnotische Behandlung von ICD-10 kodierbaren Störungen wurde bei einem durchschnittlichen Behandlungszeitraum von 5,1 Wochen eine gewichtete, “Post-treatment-Effektstärke” von d=0,60 (mittlere Effektstärke) gefunden (24 Studien), für die Verwendung von Hypnose zur Unterstützung medizinischer Maßnahmen (19 Studien) ein d=0,38 (schwacher Effekt). Es handelt sich hierbei um konservative Schätzungen, da alle Variablen einer Studie zur Berechnung der mittleren Effektstärke verwendet wurden. Die meisten Studien verwendeten Methoden der klassischen Hypnose. Um abzuschätzen, in welchem Ausmaß nichtklinische Faktoren (Designqualität, Art des Messwertvergleichs) die Größe der Effektstärke beeinflussen, wurden für die Studien der ursprünglich 193 Untersuchungen, die die erforderlichen statistischen Angaben enthielten, Effektstärken berechnet. Für diese insgesamt 89 Studien mit einer Effektstärke von d=0,80 zeigte sich ein gravierender Einfluss nichtklinischer Faktoren auf die gewichteten Effektstärken, die von 0,51 für randomisierte Studien mit Gruppenvergleich bis zu d=2,0 für nichtrandomisierte Studien mit Prä-, Post-Vergleich reichten.

Quelle:

Bongartz, W., Flammer, E. & Schwonke, R. (2014). Die Effektivität der Hypnose. Psychotherapeut, 47 (2), 67–76. doi:10.1007/s00278-002-0207-z