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coaching

Vorurteilsreduktion vs. kollektive Aktion

Dixon, Levine, Reicher und Durrheim (2012) stellen dem in der Sozialpsychologie etablierten Modell der Vorurteilsreduktion den Ansatz der kollektiven Aktion gegenüber. Dabei vergleichen Sie die beiden Modelle auf den Ebenen:  Agierende, Intervention, psychologischen Prozesse und Handlung. Außerdem arbeiten sie die paradoxen Effekte der Vorurteilsreduktion heraus.

 

 

Modell

Vorurteil Reduktion

Kollektive Aktion

Agierende

Mitglieder der historisch begünstigten Gruppe

Mitglieder der benachteiligten Gruppe

Intervention

Intergruppenkontakt; Kooperation, Reduktion von Abhängigkeit, Erhöhung der Empathie

Empowerment; stärken der Bewusstheit; Bildung von Koalitionen

Psych. Prozess

Reduktion von Stereotypen; Mehr positive Affekte; Verringerung der Salienz von Gruppengrenzen und Identitäten.

Sinn für Ungerechtigkeit; kollektiver Zorn; kollektive Wirksamkeit; Erhöhung der Salienz von Gruppengrenzen und Identitäten.

Verhalten

Reduktion der individuellen Akte von Diskrimination. Reduktion von Intergruppen-Konflikten.

Kollektive Aktion um den Status Quo zu ändern.

 Der paradoxe Effekt von Intergruppenkontakt

Dixon et al. zeigen, dass positiver Kontakt zwischen den Gruppen dazu führen kann, dass die benachteilige Gruppe ihre Situation als positiver bewertet, ohne das sich die tatsächliche Situation verändert hat.

Der Kontakthypothese folgend nehmen wir an, das positiver Intergruppenkontakt Vorurteile reduziert. Metaanalysen können das bestätigen, aber nur für die historisch begünstigte Gruppe. Ihre Empathie steigt und Vorurteile werden geringer. Hier kommt es zu höherer Unterstützung für sozialen Wandel.

Bei der benachteiligten Gruppe indes ist ein gegenteiliger Effekt zu beobachten. Hier kommt es zu geringerer Unterstützung für sozialen Wandel nach Intergruppenkontakt:

  • die Wahrnehmung von Diskrimination sinkt (ohne das die Diskrimination abnimmt)
  • Aktionismus nimmt ab
  • die Wahrnehmung sozialer Ungerechtigkeit sinkt
  • es entsteht eine falsche Erwartung von Gleichheit

Quelle:

 

Dixon, J., Levine, M., Reicher, S. & Durrheim, K. (2012). Beyond prejudice: Are negative evaluations the problem and is getting us to like one another more the solution? Behavioral and Brain Sciences, 35 (06), 411–425. doi:10.1017/S0140525X11002214