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Prilleltensky (2001) stellt in seinem Artikel "Value-Based Praxis in Community Psychology: Moving Toward Social Justice and Social Action"  die Bedeutung von Werten in der Gemeindepsychologie heraus und gibt den Praktizierenden nützliche Richtlinien zur werteorientierten Arbeit in Gemeinden an die Hand.

Traditionell fokussiert die Psychologie eher auf das Individuum und setzt bei Diagnose und Intervention beim der Veränderung des Einzelnen an. Dabei stehen eher wissenschaftliche Methoden und personenzentrierte Denkweisen im Mittelpunkt.

Moralische oder wertebasierende Sichtweisen sind zur Zeit eher in der Minderheit. Der Blick auf die gesellschaftliche Dimension oder gar der Anspruch auf gesellschaftliche Veränderung spiel selbst in der Gemeindepsychologie eine Hintergrundrolle.

 

 

Merkmale

klinische Psychologie

Gemeindepsychologie

professionelle Hilfe Selbsthilfe und organisierte Nachbarschaftshilfe im natürlichen Umfeld
Psycholog_Innen als Expert_Innen Psycholog_innen als Kollaborateur
Personale Problemdefinition  Multi-Level Problemdefinition
 Diagnose von Krankheiten  Ausbildung von Potentialen von Einzelpersonen und Gruppen

 Ziele

 Es werden zwei zentrale Ziele für die Gemeindepsychologie aufgerufen.

  1. Die Elimination von unterdrückender sozialer Bedingungen die Probleme im Leben verursachen
  2. Verbreitung von Wohlbefinden

Kriterien

Auf der Suche nach den geeigneten Werte stellt Prilleltensky (2001) vier Kriterien vor, die Werte unterstützen sollten:

  1. Werte sollen zu Prozesse und Mechanismen führen, die auf ein ideales Szenario hinführen.
  2. Werte sollen weder dogmatisch noch relativistisch sein.
  3. Werte sollen komplementär sein.
  4. Werte sollen persönliches, kollektives und relationales Wohlbefinden fördern.

Sieben Werte

In Anbetracht dessen, dass die vier o.g. Kriterien nicht durch einen einzelnen Wert abgedeckt werden können, postuliert Prilleltensky (2001) sieben Werte, die im Zusammenspiel als Set funktionieren.

  1. Selbstbestimmung
  2. Gesundheit
  3. persönliches Wachstum
  4. soziale Gerechtigkeit
  5. Unterstützung beim Aufbau von Gemeindestrukturen
  6. Wertschätzung von Vielfalt
  7. Zusammenarbeit /demokratische Teilhabe

 Diese Werte können sich gegenseitig ergänzen. z. B. Selbstbestimmung und Wertschätzung von Vielfalt

Sie können aber auch in eine dialektische Spannung geraten, wenn sich z.B. persönliches und kollektives Wohlbefinden konkurrierend gegenüber stehen (Selbstbestimmung vs. Zusammenarbeit).

 Werte sollen eine Richtschnur sein, um anderen zu helfen. Es können aber kaum universelle Werte genannt werden. Deswegen besteht die Notwendigkeit Werte im Kontext flexibel anzupassen.

Werten goes Praxis

Die praktische Tätigkeit soll die Werteorientierung weiterführen.

Prilleltensky (2001) schlägt ein zirkuläres Rahmenmodell bestehend aus drei Stufen vor.

  1. Reflektion
  2. Forschung
  3. Soziale Aktion

In der Praxis solle die folgenden Kriterien helfen das Rahmenmodell abzuarbeiten:

  • Balance zwischen philosophischen und wissenschaftlichen (grounded) Input.
  • Balance zwischen Verstehen und Aktion.tt
  • Balance zwischen Prozessen und Ergebnissen.
  • Balance zwischen verschiedenen und ungleichen Stimmen. Im Sinne von inhaltlich verschieden und ungleich in Ihrem Machtstatus.
 
 Betrachtung Schlüsselfrage  sondiert  analytische Resscource Ergebnis
Philosophie Was sollte sein? ideale Vision Philosophischer und politischer Diskurs über Werte und Gesellschaft Vision vom guten Leben und guter Gesellschaft
Kontext Was ist? aktueller Zustand Sammeln von Normen; ökonomischer, sozialer und kultureller Trends Identifikation mit vorherrschenden Normen und sozialen Bedingungen
Bedürfnisse Was fehlt? erstrebter Zustand Belegbare Theorie und gelebte Erfahrung von Gemeindemitgliedern Identifikation mit menschlichen Bedürfnissen
Praxis Was ist zu tun? praktikable Veränderung Mobilisierung von Ressourcen und Theorie sozialen Wandels Strategien sozialen Wandels

Quelle:

Prilleltensky, I. (2001). Value-Based Praxis in Community Psychology: Moving Toward Social Justice and Social Action. American Journal of Community Psychology, 29(5), 747–778. doi:10.1023/A:1010417201918